16th July 2015

This will be some thoughts that run through my head all day. It is not so much about giving information. Don´t read if you´re not into sentimentalities.

I feel like I can less and less understand how you can survive as a refugee. I get more and more aware of the horror of being in their situation and the more I do so the less I can understand it.

Nations. States. Governments. Borders. Bureaucracy… Someone just made that up.

What makes me a person that deserves to live better than them? Do I make less mistakes or am I cleverer? Am I a better person?

Of course not. I was just lucky. I was born in the right country, in the right time.

If we continue seperating the world like this, into less and more valuable people, what will happen to our minds and hearts? Is this the 21st century´s humanitarianism?

People in Germany are funny. They say that most of the refugees go there to have a nice time and never work.

If they could see what I see now.

Being a refugee here means asking for anything!

It means:
Ask for water. Ask for food. Ask for soap. Ask for clean clothes. Ask for shoes. Ask for medicine. Ask for a ride. Ask for a towel. Ask for a plate. Ask for sanitary towels. Ask for diapers. Ask for a duvet.

Ask someone to call the ambulance. They wouldn´t come if you did yourself.

Ask for more water.

Ask someone to look at your brother´s skin because he keeps having this weird itching skin rash.

Ask for your papers. Again. Ask again. Ask again. Get told that they have gone lost.

This happened for real. I spoke to an afghan man today, who is on Lesvos with his wife and son. For some reason he got some papers but his wife and son didn´t. They are at Karatepe for 6 days now, if I remember correctly. His child has a bad cold and throat ache.

When I spoke to him today he was on his way to camp Moria. They had been to camp Moria before. After that they had been sent to Karatepe (I don´t know why they did it this way round with them. I really don´t know.). He was asking for their papers day by day. Today the harbor police admitted that they had lost papers of a huge number of afghan people from Karatepe.

This at least explains why their situation wouldn´t move forward.

He and many others decided to wander back again to Moria.

They will ask to be registered the second time.

Being a refugee means asking, it means becoming a petitioner. But only provided of course that you find someone to ask. Go try. Find someone. If you are at a camp other than Pikpa: Good luck.

I feel like being a refugee inevitably means losing one of the most precious, most human virtues: autonomy.


16. Juli 2015

Ich schreibe jetzt über Einiges, das mir im Kopf herumgeht. Es geht mir hier für einen Moment nicht darum zu informieren. Wenn dich Sentimentalitäten nicht interessieren, lies nicht weiter!

Mehr und mehr verstehe ich, was für Schrecken mit dem Flüchtlingsein einhergehen. Umso mehr ich davon verstehe, umso weniger kann ich es begreifen, oder es mir wahrhaftig vorstellen.

Länder. Staaten, Regierungen, Grenzen, Bürokratien… Das ist doch nur erfunden.

Was macht mich zu einem Menschen, der es verdient besser zu leben?

Mache ich weniger Fehler oder bin ich klüger? Bin ich ein besserer Mensch?

Natürlich nicht. Ich hatte einfach Glück. Ich wurde im richtigen Land zur richtigen Zeit geboren.

Wenn wir damit fortfahren die Welt in wertvollere und weniger wertvolle Menschen zu unterteilen, was geschieht dann mit unseren Gedanken und unseren Herzen?

Ist das wirklich der Humanitarismus des 21. Jahrhunderts?

Leute in Deutschland sind lustig. Sie sagen, dass Flüchtlinge nur nach Deutschland kommen um eine gute Zeit zu haben und niemals arbeiten zu müssen.

Wenn sie sehen könnten, was ich hier sehe.

Ein Flüchtling zu sein bedeutet um alles zu bitten.

Es bedeutet:

Um Wasser zu bitten. Um Essen zu bitten. Um Seife zu bitten. Um frische Kleidung zu bitten. Um Schuhe zu bitten. Um Medizin zu bitten. Darum zu bitten, mit dem Auto mitgenommen zu werden. Um Handtücher zu bitten. Um einen Teller zu bitten. Um Damenbinden zu bitten. Um Windeln zu bitten. Um eine Decke zu bitten.

Jemanden zu bitten den Krankenwagen zu rufen. Wenn du sie selbst anrufst, kommen sie nicht.

Um mehr Wasser zu bitten.

Jemanden zu bitten sich anzusehen, was das für ein seltsamer, juckender Ausschlag auf der Haut deines Bruders ist, der einfach nicht weggeht.

Um Papiere zu bitten. Und nochmal. Und nochmal darum zu bitten. Und nochmal. Gesagt bekommen, dass sie verloren wurden.

Das ist wirklich passiert. Ich habe heute mit einem afghanischen Mann gesprochen, der mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn auf Lesbos in Karatepe ist. Sie sind seit 6 Tagen dort, wenn ich mich recht erinnere. Sein Sohn hat eine schlimme Erkältung und Halsweh.

Als ich heute mit ihm sprach, war er auf dem Weg zum Camp Moria. Sie waren bereits zuvor dort gewesen. Aus einem unerfindlichen Grund hat er Papiere und seine Frau und sein Sohn nicht.

Nach Moria hatte man sie nach Karatepe geschickt. (Ich habe keine Ahnung weshalb es dieses Mal so rum lief. Ich weiß es wirklich nicht.) Er fragte jeden Tag nach seinen Papieren. Tag für Tag. Heute gab die Hafenpolizei zu die Papiere von einer gigantischen Menge afghanischen Flüchtlingen in Karatepe verloren zu haben.

Dies erklärt zumindest weshalb sie einfach nicht weiterkamen.

Er und viele andere haben beschlossen zurück nach Moria zu wandern.

Sie werden darum bitten sich noch einmal anzumelden.

Ein Flüchtling zu sein bedeutet Bittsteller zu werden. Vorausgesetzt natürlich du findest jemanden, den du bitten kannst. Versuch es. Finde jemanden. Wenn du in einem anderen Camp als Pikpa bist: Viel Glück.

Ich habe das Gefühl, Flüchtling zu sein bedeutet zwangsläufig eine der wertvollsten und menschlichsten Dinge zu verlieren, die wir besitzen: Autonomie.

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